Montag, 18. Mai 2015

Buch-Entwicklung "Der silberne Flügel"

Vor Jahren hatte ich mal aus einem Impuls heraus eine kurze Szene geschrieben, die von einem Außerirdischen handelt, der mit seinem Raumschiff abstürzt und verletzt in eine Forschungsstation gebracht wird. Dort spielte noch eine Ärztin die zweite Hauptrolle. Diese Szene umfasste nur vier Seiten und wegen des Alien-Aspekts habe ich sie nie weitergeführt, obwohl es mir von Zeit zu Zeit im Kopf herumspukte. Aus diversen Gründen begann mich dann das Engelthema sehr zu faszinieren und ich überlegte, ob man nicht aus dieser seltsamen Szene etwas völlig anderes entwickeln könnte. Also versuchte ich mal, den süßen Außerirdischen wegzudenken ... und dann stand da Keija vor meinem inneren Auge.
(Das Bild ist eine Fotomontage, wo zusätzlich eine Bleistiftzeichnung mit 
eingearbeitet worden ist. Die Vorlage war eine Figur aus Final Fantasy.)


Ich hatte also meinen ersten Protagonisten und begann einfach mal spontan den Prolog zu schreiben, weil ich schon vorher immer dieses Bild im Kopf hatte, wie Keija den Frühling erwachen lässt. Wenn die Bäume ausschlagen, muss ich heute immer noch an diese erste Szene denken: 
"Die Abendsonne tauchte das Moos auf der Waldlichtung in sanftes Licht, als Keija in einer fließenden Bewegung die Arme hob. Kräfte durchfluteten ihn, trafen auf die Erde und strömten in die Umgebung. Wie im Zeitraffer schlugen die Bäume aus und der Winterwald verwandelte sich in ein grünes, wogendes Meer. Für Keija existierte in diesen Augenblicken keine Zeit."





Ursprünglich war als zweiter Hauptcharakter eine Frau geplant. Elias weigerte sich aber vehement eine zu sein. Seufz, diese Hauptfiguren bringen einen Autor manchmal um den Verstand ...


Aber das war gut so, denn die Geschichte nahm Wendungen, wo ich oft sprachlos vor dem Monitor saß. Oft wusste ich gar nicht, was als nächstes kommt. Manchmal fühlte es sich so an, als müsste sich die Geschichte ganz allein entwirren. Also ließ ich das zu. Ich habe bei dieser Story also nicht geplottet, sondern mich einfach "führen" lassen. Natürlich musste der Roman noch einige Male überarbeitet werden, aber großteils ist er total intuitiv geschrieben worden.




Von Anfang an war mir klar, dass Elias und Keija in Schweden sind. Im Urlaub habe ich meine Liebe für dieses nordische Land entdeckt, dort lebt wirklich noch ein besonderer Zauber. Wenn ich dort am See Barken saß, tauchten oft Szenen auf, die ich dann später im Buch verwendete.



Aber ich brauchte eher unberührtes Land. Also fiel mein Augenmerk auf die Skanden, das Gebirge, das im Westen an Norwegen grenzt. Gefühlsmäßig suchte ich in Google Maps, was sich eignen würde. Ich brauchte eine Stadt, die nicht zu weit entfernt ist, aber ich benötigte auch die Anbindung zu den höheren, einsamen Fjällebenen. Östersund fiel mir da ins Auge und ich fand schnell eine Gebirgsebene für die Forschungsstation, die allerdings geheim ist. Ihr werdet sie also nicht finden, he he he. Area 51, sag ich nur. Ihr merkt, ich war in Schweden, aber meine Buchkulissen habe ich noch nicht live gesehen. Ich begann also alles über die Region zu lesen, was ich so fand, studierte Karten, Bilder, Geschichtliches und bald hatte ich ein vollständiges Bild. Jetzt denkt ihr: Hat sie nicht gesagt, sie hat das intuitiv geschrieben? Stimmt. Das habe ich auch. Aber ich kam dennoch oft an einen Punkt, wo ich nicht weiterkam und herausfinden musste, wo sich meine Protagonisten befinden. Ich wollte die Natur authentisch beschreiben, musste wissen, ob man in dem Bergdorf Hede Transportschlitten kaufen kann, oder ob Elias in Ljungdalen telefonieren kann, bzw. ob es eine Telefonzelle gibt. Alles kann man nicht der Fantasie überlassen, denn falls jemand von euch mal dort hin reist, soll er auch die Gegend so vorfinden, wie ich sie beschrieben habe.
Wer mehr von den Kulissen sehen möchte, kann mal bei dem schwedischen Fotograf Jörgen Larsson vorbeischauen. Hier habe ich euch mal genau die Region verlinkt, wo mein Buch hauptsächlich spielt: → Härjedalen

http://www.jlfoto.com/?l=0&r=a&p=9033&ll=2&s=2&t1=0&t2=4&ss=&t=1&ts=0&get_js=1


Einen besonderen Aspekt haben die Polarlichter eingenommen, die gar keine sind. Keija weigert sich ja, als Mensch geboren zu werden, und muss sich einerseits einen stofflichen Körper erschaffen, andererseits greift er in beide Welten ein. Ich wollte dies unbedingt sichtbar machen und sah vor meinem inneren Auge immer Polarlichter, wusste aber gleichzeitig, dass es keine normale Aurora sein kann. Die Lichtgebilde sollten sich jahrelang erhalten und frei von jedem chemischen Prozess sein. Der Wissenschaftler William Grant war von diesem Phänomen hoch fasziniert (und ich auch). Aber die Forschungsstation wurde nicht nur wegen der Lichter erbaut, sondern es gibt ein Gebiet in den Skanden, wo plötzlich die Farbpigmente der Natur verschwinden, alles färbt sich weiß. Die Steine verlieren an Substanz, man versinkt in ihnen. Es gibt auch noch mehr außergewöhnliche Dinge, die erlest aber selbst im Buch. Was dort passiert, will William Grant unbedingt herausfinden. Als Keija verletzt in diesem Gebiet auftaucht, scheint er die Lösung aller Dinge zu sein. Aber so einfach ist es nicht. Und da ist noch Elias Nilsson. Der junge Arzt will Keija um jeden Preis schützen, denn er findet heraus, dass Keija ein Engel ist.



Allen voran ist "Der silberne Flügel" die Geschichte zweier Seelengefährten, die sich verlieren und nie die Hoffnung aufgeben, sich wieder zu finden. Hier ist ihr ungewöhnlicher Weg ins Leben verzeichnet. Lasst euch also nach Schweden entführen und erlebt eine spannende Reise durch die Skanden. Flieht mit Keija und Elias über die Berge, erlebt den Zauber der Naturengel, beginnt wieder von einer besseren Welt zu träumen. Und vergesst nie: Seelen, die sich lieben, werden sich immer wieder finden - wo auch immer sie sind.

(An dieser Stelle eine kleine Anmerkung: Dies ist keine Gay-Romance.)









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